PROJEKTE
NAHOST


LOKALITÄT UND FRÖMMIGKEIT IM ISLAM NORDAFRIKAS UND WESTASIENS
(1) Gebhard Fartacek | Zonen der Ungewissheit: Tabu und Ritual im Nahen Osten unter raum- und zeitkonzeptionellen Perspektiven.
(2) Gebhard Fartacek | Pilgerstätten in der syrischen Peripherie. Eine ethnologische Studie zur kognitiven Konstruktion sakraler Plätze und deren Praxisrelevanz.
(3) Günther Windhager | Von Lemberg nach Mekka (1900-1927). Die frühe biographische Periode von Leopold Weiss alias Muhammad Asad.
(4) Barbara Danczul | "Aug um Aug und Zahn um Zahn?" Strategien zur Beilegung von gewalttätigen/fehdeähnlichen Konflikten in Ägypten.
(5) Ines Kohl | Identitäten zwischen Grenzen. Strategien der Zugehörigkeit von Imajeghen (Tuareg) in Libyen.
(6) Gudrun Kroner | Jenseits von Ortsgebundenheit: Eine komparative Analyse von weiblichen Flüchtlingsschicksalen in der arabisch-islamischen Welt.
(7) Johann Heiss | Anthropologische Interpretationen zu Südwest-Arabien.
 
 
 
GEBHARD FARTACEK | PILGERSTÄTTEN IN DER SYRISCHEN PERIPHERIE
Eine ethnologische Studie zur kognitiven Konstruktion sakraler Plätze und deren Praxisrelevanz.
 
 
Das Pilgerwesen zu sakralen Plätzen in der syrischen Peripherie ist kein marginalisiertes Relikt vergangener Epochen. Ganz im Gegenteil, in der Gegenwart lässt sich sogar eine gewisse Revitalisierung beobachten und lokale Heiligtümer scheinen trotz Globalisierung – oder vielleicht gerade deshalb – zunehmend an Bedeutung zu gewinnen.
 
Gebhard Fartacek dokumentierte zwanzig Pilgerstätten in vornehmlich abgelegenen und nur schwer zugänglichen Gebieten der heutigen Arabischen Republik Syrien. Diese sakralen Plätze sind oft „Naturheiligtümer“, also bizarre Bäume, heiße Quellen, auffällige Felsspalten oder Höhlen, die mit bestimmten mythologischen Ereignissen in Beziehung gebracht werden und deshalb als „heilig“ gelten.

 
Umfangreiche ethnologische Feldforschungen und eine systematische Aufarbeitung der relevanten arabischen und islamwissenschaftlichen Quellen sind Grundlage dieser Dokumentation. Zusätzlich zur textlichen und fotografischen Studie dieser Orte stellte sich der Forscher die theoretische Frage, wodurch sich diese Plätze von profanen unterscheiden bzw. welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Ort als „sakral“ gilt. Außerdem ging er der Frage nach, auf welche Art und Weise das Konstrukt „sakraler Platz“ religiöses und alltägliches Handeln der Menschen prägt und strukturiert.
 
Aus sozialanthropologischer Sicht können die Pilgerstätten als „räumliche Zentren der Kommunikation“ interpretiert werden, in denen Charakteristika der Alltagswelt umgekehrt werden. Das ermöglicht nicht nur eine besondere Kommunikation mit Gott, es erlaubt ebenso besondere zwischenmenschliche Interaktionsformen, die unter „normalen“ Umständen nicht möglich wären. Somit können sakrale Plätze zu Stätten von Wahrheitsfindung, Rehabilitation und Versöhnung werden.
 
Die dem Buch (2003) zugrunde liegende Studie wurde 2000 mit einem Preis der Syrian Studies Association ausgezeichnet.
 
 
 
Fartacek, Gebhard (2003): Pilgerstätten in der syrischen Peripherie. Eine ethnologische Studie zur kognitiven Konstruktion sakraler Plätze und deren Praxisrelevanz.
Sitzungsberichte der philisophisch-historischen Klasse, 700. Band; Veröffentlichungen zur Sozialanthropologie, Band 5. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
-> Siehe Publikationen

Fartacek, Gebhard (2003): Abels Grab. Stolleis, Friederike (Hg.): Syrien verstehen. Sympathie Magazin des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung. Ammerland.

 
     
 
 

Wittgenstein-Preis 2000
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