PROJEKTE
NAHOST


LOKALITÄT UND FRÖMMIGKEIT IM ISLAM NORDAFRIKAS UND WESTASIENS
(1) Gebhard Fartacek | Zonen der Ungewissheit: Tabu und Ritual im Nahen Osten unter raum- und zeitkonzeptionellen Perspektiven.
(2) Gebhard Fartacek | Pilgerstätten in der syrischen Peripherie. Eine ethnologische Studie zur kognitiven Konstruktion sakraler Plätze und deren Praxisrelevanz.
(3) Günther Windhager | Von Lemberg nach Mekka (1900-1927). Die frühe biographische Periode von Leopold Weiss alias Muhammad Asad.
(4) Barbara Danczul | "Aug um Aug und Zahn um Zahn?" Strategien zur Beilegung von gewalttätigen/fehdeähnlichen Konflikten in Ägypten.
(5) Ines Kohl | Identitäten zwischen Grenzen. Strategien der Zugehörigkeit von Imajeghen (Tuareg) in Libyen.
(6) Gudrun Kroner | Jenseits von Ortsgebundenheit: Eine komparative Analyse von weiblichen Flüchtlingsschicksalen in der arabisch-islamischen Welt.
(7) Johann Heiss | Anthropologische Interpretationen zu Südwest-Arabien.
 
 
 
GÜNTHER WINDHAGER | VON LEMBERG NACH MEKKA (1900-1927).
Die frühe biographische Periode von Leopold Weiss alias Muhammad Asad.
 
Aus Leopold Weiss wird Muhammad Asad - die frühe Laufbahn als Nahost-Korrespondent

Leopold Weiss wurde 1900 in der damals zu Österreich-Ungarn gehörenden galizischen Stadt Lemberg (Lwów, L'viv) geboren. Er entstammte einer jüdischen Familie, die bei Ausbruch des I. Weltkriegs in Wien ansässig wurde. Hier suchte Weiss bereits während seines Studiums Anschluss an literarische und künstlerische Zirkel. Eine Einladung eines in Jerusalem lebenden Onkels führte ihn 1922 erstmals in den Nahen Osten – die Reise sollte zur Zäsur werden: Nachdem Weiss als Korrespondent der Frankfurter Zeitung in den folgenden Jahren die Länder von Ägypten bis Afghanistan bereiste, konvertierte er 1926 zum Islam und nahm den Namen Muhammad Asad an.

Muhammad Asad - der Berater und Diplomat
Asads weiterer Werdegang ist eng mit der Entstehungsgeschichte zweier Staaten verbunden – Saudi-Arabien und Pakistan. Während er im Anschluss an seine erste Pilgerfahrt nach Mekka mehrere Jahre als Korrespondent europäischer Zeitungen und als Berater von König Ibn Sa‘ûd in Arabien lebte, beteiligte er sich später in Indien am Aufbau des Staates Pakistan, den er 1952 bei den Vereinten Nationen in New York als Gesandter vertrat.
 
Muhammad Asad - der Publizist, islamische Gelehrte und Koranübersetzer

Neben seiner politischen und diplomatischen Laufbahn avancierte Muhammad Asad mit seinem publizistischen Werk zu einem bedeutenden Impulsgeber auf das modernistische und reformorientierte Denken im Islam des 20. Jahrhunderts. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören "Islam at the Crossroads" (1934), "The Road to Mecca" (1954), sowie "The Message of the Qur’ân" (1980). Muhammad Asad ist 1992 auf seinem letzten Wohnsitz in Andalusien verstorben.

Kurzbeschreibung des Forschungsprojekts:
Das Forschungsprojekt widmete sich einer umfassenden bio-bibliographischen Grundlagenrecherche, die sich auf Weiss’/Asads biographische Phase bis kurz nach der Konversion konzentrierte. Auf Basis der gewonnenen Materialien und Erkenntnisse entstand eine quellentransparente Monographie und damit zugleich die erste Buchpublikation über diesen bedeutenden Mittler zwischen den Kulturen: "Leopold Weiss alias Muhammad Asad. Von Galizien nach Arabien 1900–1927". Das Buch wurde 2003 von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit dem Böhlau-Jubiläumspreis ausgezeichnet.



Windhager, Günther (2006): Vom Kaffeehaus an den saudischen Königshof. Leopold Weiss’ (später Muhammad Asad) Begegnungen in Wien und Berlin auf seinem Weg zum Islam. In: Heuer, Gottfried (Hg.) Utopie und Eros. Der Traum von der Moderne. 5. Internationaler Otto Gross Kongress, Cabaret Voltaire, Dada-Haus Zürich, 16.–18. September 2005. Marburg/Lahn: LiteraturWissenschaft.de, S. 209–228
 
Windhager, Günther (2002): Leopold Weiss alias Muhammad Asad. Von Galizien nach Arabien 1900-1927. Wien: Böhlau Verlag.
-> Siehe Publikationen
 
 
     
 
 

Wittgenstein-Preis 2000
Kommission für Sozialanthropologie

Schwindgasse 14/6
A-1040 Wien


Tel.: 0043/1/515 81 - 6677
Fax: 0043/1/503 68 73 - 6680
wittgenstein2000@oeaw.ac.at


Hinweis: Der FSP wurde mit 31.03.2007 abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt wird diese Homepage nicht mehr aktualisiert.