PROJEKTE
NAHOST


LOKALITÄT UND FRÖMMIGKEIT IM ISLAM NORDAFRIKAS UND WESTASIENS
(1) Gebhard Fartacek | Zonen der Ungewissheit: Tabu und Ritual im Nahen Osten unter raum- und zeitkonzeptionellen Perspektiven.
(2) Gebhard Fartacek | Pilgerstätten in der syrischen Peripherie. Eine ethnologische Studie zur kognitiven Konstruktion sakraler Plätze und deren Praxisrelevanz.
(3) Günther Windhager | Von Lemberg nach Mekka (1900-1927). Die frühe biographische Periode von Leopold Weiss alias Muhammad Asad.
(4) Barbara Danczul | "Aug um Aug und Zahn um Zahn?" Strategien zur Beilegung von gewalttätigen/fehdeähnlichen Konflikten in Ägypten.
(5) Ines Kohl | Identitäten zwischen Grenzen. Strategien der Zugehörigkeit von Imajeghen (Tuareg) in Libyen.
(6) Gudrun Kroner | Jenseits von Ortsgebundenheit: Eine komparative Analyse von weiblichen Flüchtlingsschicksalen in der arabisch-islamischen Welt.
(7) Johann Heiss | Anthropologische Interpretationen zu Südwest-Arabien.
 
 
 
INES KOHL | IDENTITÄTEN ZWISCHEN GRENZEN
Strategien der Zugehörigkeit von Imajeghen (Tuareg) in Libyen.
 
Die Grenzen zwischen Algerien, Libyen und dem Niger sind ein Konstrukt der ehemaligen Kolonialmächte Italien und Frankreich. Die einst autonome Selbstverwaltung der Sahara-Tuareg musste einer differenzierten je nach Staatspolitik unterschiedlichen Minderheitenpolitik weichen. Diese territoriale Separation bedingte unterschiedliche soziopolitische Entwicklungen, die bis heute die Situation der Tuareg in diesem Borderland prägen.
 
Ines Kohl untersuchte in der an der algerisch-nigrischen Grenze gelegenen Oasenstadt Ghat, wie Imajeghen (Tuareg) mit überlokalen und globalen Einflüssen umgehen und explizierte die Rolle von territorialen und soziokulturellen Grenzen in Bezug auf Zugehörigkeit und Abgrenzung.
 
Die im FSP-Wittgenstein generierten Hypothesen möglicher Strategien im Umgang mit überlokalen Einflüssen (Abschottung, Aufgehen, Aneignung) dienten Ines Kohl als Grundlage. Sie konzentrierte sich auf libysche Identitätskonstruktionen, die Schule als Vermittler der staatlichen Ideologie, Heiratspraktiken als Indikatoren informeller Sozialisation und die Etablierung eines transregionalen innersaharischen Handels- und Migrationsraumes. Dadurch fand sie heraus, dass den Akteur/inn/en zwei weitere Optionen von Agency zur Verfügung stehen: „Sich Arrangieren“ und „Umgehen“. Sie werden in gewissen kontextbezogenen Situationen gewählt, um im Rahmen der übergeordneten Autorität agieren zu können.
 
Während in Mali, Niger und Algerien Imajeghen einer politischen, ökonomischen und sozialen Marginalisierung bis hin zu einer massiven Unterdrückung ausgesetzt sind, können sie sich in Libyen begrenzt artikulieren. Das bringt jedoch mit sich, dass sie unter das Konglomerat der „arabisch-islamischen Libyer/innen“ subsumiert werden. Im Zuge dessen wird ihre ethnische Zugehörigkeit negiert und manipuliert. Gleichzeitig jedoch werden Imajeghen von staatlicher Seite als stolzes Erbe Libyens mit historischer Dimension hoch geschätzt, da ihre Verbundenheit mit der Sahara und dem Nomadentum den persönlichen Hintergrund des Revolutionsführers Mucammar al - Qaddafi widerspiegelt. Tendenziell jedoch sind alle Tuareg trotz vieler interner Widersprüche im Begriff, sich zu einer überregionalen ethnischen Minderheit in mehreren Nationalstaaten neu zu konstituieren. Ihre Sprache gilt dafür als einigendes und definierendes Identitätsmerkmal schlechthin. Sie vereint Imajeghen auf kommunikativer und kultureller Ebene als kollektive Entität und grenzt sie dadurch gleichzeitig von anderen ab.
 
Die Resultate dieser Arbeit hat Ines Kohl 2007 im Buch Tuareg in Libyen: Identitäten zwischen den Grenzen (Berlin: Reimer) publiziert.
 
 
 
Kohl, Ines (2007): Tuareg in Libyen: Identitäten zwischen Grenzen. Berlin: Reimer Verlag.
-> Siehe Publikationen

Kohl, Ines (2006): Von Tuareg, Toyotas und Wüsten Geschichten: Sahara-Tourismus in Libyen. In: Integra, Zeitschrift für Integrativen Tourismus und Entwicklung, 2/06, S. 14-17

Kohl, Ines (2005): Nationale Identität, tribale Zugehörigkeit und lokale Konzeptionen im Fezzan - Libyen. Eine Farbenlehre. In: Heiss, Johann (Hg.): Veränderung und Stabilität. Normen und Werte in islamischen Gesellschaften, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, S. 137-168
-> Siehe Publikationen

Kohl, Ines (2005): Identitäten zwischen Grenzen: Strategien der Zugehörigkeit von Tuareg (Imajeghen) in Libyen, Dissertation, Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Wien.

Kohl, Ines (2004): Kontinuität und Wandel: Transsaharische Handels- und Reisewege durch den Fezzan/Libyen.
In: Mitteilungen der Grazer Morgenländischen Gesellschaft, Graz, Band 12, S. 54-73

Kohl, Ines (2003): Wüstentourismus in Libyen. Folgen, Auswirkungen und lokale Wahrnehmungen. Eine anthropologische Fallstudie aus der Oase Ghat.
In: Weiss, Dieter und Steffen Wippel (Hg.): Diskussionspapiere Nr. 94, Freie Universität Berlin: Klaus Schwarz Verlag.
-> Siehe Publikationen






 
     
 
 

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