PROJEKTE
ZENTRALASIEN


DORFIDENTITÄT UND STAATSIDENTITÄT IM BUDDHISTISCHEN ZENTRALASIEN

(1) Elke Studer | Wettreiten für die Götter. Byang thang ´char can rta rgyug.
(2) Hilde Schäffler | Ethnologisches Wissen, Objekte und koloniale Macht.
(3) Guntram Hazod | Historische Karten zu Zentraltibet.
(4) Walter Probstler | Kulturgeschichte der Burjaten im Nordosten der Mongolei.
(5) Stephan Kloos | Tibetan Medicine among the Buddhist Dards of Ladakh.


 
ELKE STUDER | WETTREITEN FÜR DIE GÖTTER
Byang thang ´char can rta rgyug.




Elke Studer arbeitete in Nagchu, dem alten Verwaltungszentrum des Chang Tang, der „nördlichen Ebene“ der heutigen Autonomen Region Tibet. Für die nomadischen patrilinearen Klans haben Pferde auch heute einen hohen Stellenwert. Viele Lokalgottheiten werden meist auf Pferden reitend dargestellt, wie etwa der gNyan-chen thang-Iha, der führenden Territorialgottheit in dieser Region. Reiterspiele finden vor allem im Sommer im ganzen tibetischen Raum statt, um den kriegerischen Aspekt der jeweiligen Lokalgottheiten zu ehren. Die Qosot-Mongolen veränderten und formten die Geschichte Tibets im 17. Jahrhundert. Gushri Khan bot seine militärische Unterstützung an und erhielt dafür im Gegenzug die spirituelle Unterstützung des Fünften Dalai Lama und der aufstrebenden Gelukpa- (Gelbmützen-) Schule. Dieser Qosot-Herrscher hatte bleibenden Einfluss auf Nordtibet, da er das große Reiterfest 1640 zur Demonstration und Manifestation seiner Machtansprüche initiierte.
 
Aus einem Ritual zur Verehrung der Lokalgottheit wurde so ein großes Fest, an dem nicht nur die besten Reiter der nomadischen Klans, sondern auch die Reiter der mongolischen Truppen teilnahmen. In den folgenden Jahren wurde das Fest alle vier Jahre zur Einsetzung eines neuen weltlichen sowie eines buddhistischen Regierungsbeauftragten aus Lhasa für den Chang Tang gefeiert. Während und nach der chinesischen Kulturrevolution war das Reiterfestival lange Zeit untersagt. Erst seit 1992 findet es, nun jährlich in säkularisierter Form, wieder statt. Hochrangige Funktionäre der Kommunistischen Partei nehmen die Preisverleihung der Gewinner des Wettreitens von Nagchu vor.


 
Der Großteil der Daten dieses Projektes wurde von Elke Studer gemeinsam mit ihrem tibetischen Forschungskollegen Pema Gyatso und im Teamwork mit der Tibetischen Akademie der Sozialwissenschaften erhoben. Teilnehmenden Beobachtungen wurden durch qualitative Interviews ergänzt; auch Gebetstexte und lokale tibetische Publikationen über das Reiterfestival wurden herangezogen. Weiters illustrieren Fotodokumentationen und der auch im ORF gezeigte Film Tibetisches Reiterfest (Tibet 2002) dieses Forschungsprojekt.
 
 
 
Einen ersten Abschluss erzielte dieses Projekt von Mag. Elke Studer im Jänner 2003 mit der erfolgreichen Sponsion und Approbation (Univ. Wien) ihrer Diplomarbeit.
 
Studer, Elke (2006): Weiße Zelte am Schwarzen Fluss: Über die Beziehungen der nordtibetischen Klans von Nagchukha zu Lhasa in der Zeit vom 17. Jahrhundert bis heute. In: Gingrich, Andre und Guntram Hazod (Hg.): Der Rand und die Mitte. Beiträge zur Sozialanthropologie und Kulturgeschichte Tibets und des Himalaya. Wien: Akademie-Verlag.
-> Siehe Publikationen
 
Studer, Elke (2002): Ritual under change: Mongolian Influences on Horse Races and Montain Divinity Worship in Tibet. In: Inner Asia 4, 2002: 361-373
-> nähere Infos
 
 
     
 
 

Wittgenstein-Preis 2000
Kommission für Sozialanthropologie

Schwindgasse 14/6
A-1040 Wien


Tel.: 0043/1/515 81 - 6677
Fax: 0043/1/503 68 73 - 6680
wittgenstein2000@oeaw.ac.at


Hinweis: Der FSP wurde mit 31.03.2007 abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt wird diese Homepage nicht mehr aktualisiert.